Selig sind…
Täglich verhungern tausende Menschen, Millionen sind mit dem AIDS-Virus infiziert, 1,3 Mrd. Menschen müssen mit einem Dollar pro Tag auskommen und auch die Sahelzone ist immer noch nicht bewässert. Eigentlich helfen da nur Wunder.
Der neue Papst hat angekündigt, das Verfahren zur Seligsprechung des alten Papstes entgegen der Regel sofort statt erst in fünf Jahren einzuleiten. Damit wäre der Weg frei zur Heiligsprechung von Johannes Paul II.
Nun bin ich ein völlig gottloser Mensch und kann die Begeisterung der katholischen Welt für diesen Schritt nicht teilen. Wenn ich das richtig verstanden habe, wird in diesem Verfahren unter anderem geprüft, ob die betreffende Person Wunder in ihrem Leben vollbracht hat. Dieses kann nach meiner Ansicht für Johannes Paul II. ausgeschlossen werden. Zwar soll er nach Auskunft einiger Getreuer maßgeblich am Untergang des Kommunismus und dem Mauerfall beteiligt gewesen sein, aber das ist wohl eher ein Mythos. Üblich für einen Papst und wenig wunderbar waren seine Ansichten in Bezug auf Familienplanung in Verbindung mit Verhütungsmethoden, Lebensgemeinschaften ohne Trauschein oder gar homosexuelle Ehen. Auch für die Erneuerung der katholischen Kirche oder eine Annäherung der einzelnen Konfessionen untereinander ist er ein Wunder schuldig geblieben. Einzig die Heerscharen von Gläubigen, die den Platz vor dem Petersdom tage- und wochenlang bevölkerten, die Millionen Pilger, die Tage nach seinem Tod Rom an den Rand eines Kollapses brachten, haben mich verwundert.
Vielleicht hat der amtierende Papst einen Blick in die Bergpredigt (Matthäusevangelium 5, 1 f.) geworfen. Da findet sich einiges, was eine Seligsprechung rechtfertigt. Am besten gefällt mir dort der Satz:
Selig sind, die da geistlich arm sind; denn das Himmelreich ist ihr.