Roll over Beethoven!
Da ist es wieder, ich habe bereits darauf gewartet. Seit Monaten - genauer gesagt seit dem Einzug der neuen Mieter über uns - kann ich abends die Uhr danach stellen. Sanfte Klavierklänge senken sich herab und lullen mich ein. Das Repertoire ist beachtlich: Von einer Partita von Bach, einer Mozartsonate, über eine Nocturne von Chopin bis zu Saties Gymnopedie Nr. 1 reicht das Angebot abendlicher Unterhaltung. In den letzten Tagen ist Beethovens Sonate Nr. 14 in cis-Moll hinzu gekommen, die “Mondscheinsonate”, die zu seinen geheimnisumwittertsten Kompositionen gehört. Eine unsägliche Wehmut packt einen gewöhnlich beim Hören dieses Stücks. Bei mir reicht es im Moment nur zum Haare raufen. Seit zehn Minuten höre ich die ersten Takte, die ständig wiederholt werden und zwar immer mit den gleichen Fehlern. So geht das fast jeden Abend ohne Aussicht auf Besserung. Was soll ich tun? Ich kann ja schlecht hingehen und sagen: Üben Sie mal ein bisschen! Zudem möchte man nicht als Pauker oder Spießer dastehen. Jedenfalls bin ich froh, mir vor vielen Jahren ein Digitalpiano mit Kopfhöreranschluss gekauft zu haben und für den Rest des Abends grüble ich über sämtliche Bedeutungen des Wortes Dilettant nach.