Wusstest du, dass du du bist?
Vor einer Weile hatte ein Spaßvogel kleine weiße Aufkleber mit der Frage “Wusstest du, dass du du bist?” an unsere Schultüren geklebt. Ich war mir lange nicht sicher, ob ich diese Frage mit letzter Gewissheit beantworten könnte. Schließlich sind wir seit April des vergangenen Jahres Papst und seit letztem Herbst auch noch Deutschland - eine Doppelbelastung, an die ich mich nur schwer gewöhnen konnte.
“Du bist Deutschland!” Dieser Satz machte schon inhaltlich keinen Sinn, die Kampagne noch weniger (”Dein Wille ist wie Feuer unterm Hintern” oder “Du bist die Flügel, du bist der Baum!”). Das Manifest dazu ist hier im Original nachzulesen. Nach anfänglicher Wut über die soziale Kälte und den fehlenden Realitätsbezug finde ich die Phrasen mittlerweile belustigend, besonders, wenn sie mir von gut verdienenden B- und C-Promis vorgetragen werden. Eine schöne Persiflage auf den TV-Spot gibt es vom NDR-Satiremagazin Extra 3.
In der Bloggerszene (von Fachkreisen auch “Klowände des Internet” genannt) wurde die Kampagne verrissen (z.B. hier, hier und hier beim Spreeblick oder bei Nerdcore um nur zwei Blogs und vor allem deren Kommentarbereiche zu nennen). Auf Flickr wurde extra ein Bereich für Alternativen zur “Mutmacher-Kampagne” eingerichtet. Höhepunkt war die Entdeckung, dass in Deutschland bereits 1935 ein ganz ähnliches Motto zu Propagandazwecken verwendet wurde.
Meine Frau und ich waren uns bisher sicher: Das können die von “Du bist Deutschland” doch alles nicht ernst gemeint haben! Jetzt ist eine Email im Blog von Jens Scholz aufgetaucht [gefunden via Spreeblick], die uns alle eines Besseren belehrt: Einem der Macher von “Du bist Deutschland” ist klar geworden, dass das “die größte gemeinnützige Kampagne aller Zeiten und ein riesiges Geschenk” war. Es stellt sich nur die Frage: Für wen? Da darf man schon mal zynisch antworten (so wie hier)!