Jackpot-Safari auf Jam FM - die Lizenz zum Gelddrucken

Es gibt Sender, die höre ich eher zufällig, da mein Autoradio nicht besonders zuverlässig die Frequenzen hält. So hat sich zum Beispiel Jam FM eingeschlichen, “das neue Blackmusic-Radio”, das es allerdings schon seit zwölf Jahren gibt. Kürzlich hörte ich dort ein Geräusch, das es zu erraten gab. Das Spiel nannte sich Jackpot Safari und lockt derzeit mit 56.000 Euro Gewinn. Die Tipps der Moderatoren Ansager ließen nur einen Schluss zu: Es muss sich sich um eine handeln.

Täglich, mittlerweile stündlich soll der Zufallsgenerator zuschlagen und mich glücklich machen, wenn ich nur schnell genug anrufe. Mir war es bisher ein Rätsel, warum das Geräusch noch nicht geknackt wurde. Ist das Zielpublikum tatsächlich so dumm, wie der Sprachstil der Ansager vermuten lässt? Also gut, 49 Cent für den Anruf aus dem deutschen Festnetz riskiert und auch gleich durchgekommen:

“Hi, hier ist Jam-FM, dein neues Blackmusic-Radio. Leider war jemand schneller als du. Ruf doch gleich nochmal an.”

Kalle aus Neukölln hatte mehr Glück und ist live auf Sendung, liegt aber mit “Blindschleiche” haarscharf daneben. Komisch, gar keine Trauerreaktion am anderen Ende der Leitung? War es vielleicht doch nicht live, war es vielleicht gar nicht Kalle aus Neukölln?

Merkwürdig auch, dass der Zufallsgenerator sich stündlich pünktlich vor Stundenende für ungefähr zwei Minuten einschaltet und die Leitungen frei geben soll - was für ein Zufall. Ein Blick auf die Website von Jam FM korrigiert die Phrasen des Ansagers. Es ist kein Zufallsgenerator, sondern das “Hot-Button-Prinzip” - ein von Hand bedienter “Knopf”, der wohl (wenn überhaupt) zur Gewinnmaximierung des Senders gedrückt wird. Dennoch werden aber die komplette Stunde vorher und nachher die Zuhörer nahezu genötigt zum Hörer zugreifen:

“Mensch Leute, ran an die Bulletten! Es ist sooo einfach! Ihr könnt jetzt richtig Kohle abgreifen, der Zufallsgenerator hat noch nicht zugeschlagen!”

Eines steht fest, mit der Jackpot Safari kann man richtig Geld verdienen, allerdings gilt das vor allem für den Sender. Zwar hat wirklich jemand bei der letzten Safari gewonnen und auch diesmal wird es einen Gewinner geben, aber über die tatsächlichen Gewinnchancen der Mitspieler sagt das gar nichts aus.

Leider ist Jam-FM rechtlich auf der sicheren Seite, wie ein Urteil des OLG München in einem anderen Fall bestätigt. Der Mitspieler weiß schließlich, dass er per Telefongebühr ein Entgeld entrichtet - er muss ja nicht mitspielen.

Letzter Versuch: Anruf gegen 21:00 Uhr, also drei Stunden nach dem täglichen Spielzeitraum. Wenn es bei Jam-FM mit rechten Dingen zuginge, müsste die Hotline entweder abgeschaltet sein oder es müsste einen Hinweis geben, dass im Moment kein Geld zu gewinnen ist. Ein Tastendruck auf Wahlwiederholung und:

“Hi, hier ist Jam-FM, dein neues Blackmusic-Radio. Leider war jemand schneller als du. Ruf doch gleich nochmal an.”

Gleich Morgen werde ich mir ein neues Autoradio mit festem Sendespeicher kaufen!

Technorati-Tags: | | |

3. März 2006, Kategorie Allgemein | RSS | Trackback

Ein Kommentar zu “Jackpot-Safari auf Jam FM - die Lizenz zum Gelddrucken”

  1. Christian meint:

    Tja..ich gehöre dazu auch noch zu den treuen alten JamFM Hörern. Der Sender hat leider einen massiven Politikwechsel erfahren und ist mittlerweile im Mittelmaßsumpf angekommen, was Musik angeht. Das neue Moderatorenkonzept inkl. der dämlichen Gewinnshowberieselung setzt dem ganzen das i-Tüpfelchen an.
    Ich wette, da draußen würden dutzende engagierte Musikliebhaber Radiofrequenzen in Berlin liebend gerne haben wollen - wer aber bekommt sie? Gewinnspielsender. Das muss man nicht verstehen…

Kommentar schreiben

XHTML: Du kannst die Stichworte benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>