Explicit content in Romeo und Julia

Romeo und JuliaAls ich in der letzten Woche die Balkonszene aus Shakespeares Romeo und Julia im Unterricht besprochen habe, ist mir an den Reaktionen der Schüler klar geworden, dass dieses Buch der Mittelstufe eigentlich nicht zuzumuten ist. Der Text ist doch völlig unverständlich:

ROMEO: Doch still, was schimmert durch das Fenster dort? Es ist der Ost, und Julia die Sonne!

Was machen die beiden am Fenster da? Ist der Ost auch ein Capulet? Warum quatscht Romeo die ganze Zeit auf Julia ein und tut so als wäre er mit ihr allein?

ROMEO: O sel’ge, sel’ge Nacht! Nur fürcht’ ich, weil mich Nacht umgibt, dies alles sei nur Traum, zu schmeichelnd süß, um wirklich zu bestehn.

JULIA: Drei Worte, Romeo; dann gute Nacht! Wenn deine Liebe, tugendsam gesinnt, Vermählung wünscht, so lass mich morgen wissen durch jemand, den ich dir senden will, wo du und wann die Trauung willst vollziehn. Dann leg’ ich dir mein ganzes Glück zu Füßen und folge durch die Welt dir als Gebieter.

Irgendwie schmalzen die doch voll krass rum (Zitat einer Schülerin), kann man das nicht kürzen?
Überhaupt verwendet Shakespeare eine recht derbe und ungehobelte Sprache, die dazu führt, dass die bauchnabelfreien, Stringtanga und Hüfthosen tragenden Mädchen außer Stande sind, explizite Stellen vorzutragen:

JULIA: Nun gute Nacht! So süße Ruh’ und Frieden, als mir im Busen wohnt, sei dir beschieden!

Oder nur unter schamhaftem Gekicher:

ROMEO: Schlaf wohn’ auf deinem Aug’, Fried’ in der Brust! O wär’ ich Fried’ und Schlaf und ruht’ in solcher Lust!

Die mit Abstand härteste Stelle steht nicht im Dialog sondern in der Regieanweisung:

Zweite Szene
Capulets Garten
Romeo kommt.

Sowas versautes! Jeder drittklassige Rapper muss seinen Weisheiten und geistigen Ergüssen den Hinweis “Explicit Content” aufdrücken oder wird gar auf den Index gesetzt. Aber Shakespeare, der alte Schwerenöter, den man überdies angesichts der vielen Toten in seinen Werken auch getrost als literarischen Massenmörder bezeichnen könnte, steht noch immer auf dem Lehrplan.

JULIA: Ich komme; gleich!

4. März 2006, Kategorie Schule | RSS | Trackback

4 Kommentare zu “Explicit content in Romeo und Julia”

  1. Lena meint:

    Also ich kann die Leute nicht verstehen, die Romeo und Julia nicht mögen, bzw blöd rumkichern, wenn solche Stellen kommen.
    Ich selber bin 17 und hab schon vor 3 Jahren das Stück geliebt!
    Wenn manche nicht damit umgehen können, sollten Sie (oder die) es lieber lassen, das Stück zu lesen!

  2. Martin meint:

    Ich halte das Stück für eine Typische unsere Schule
    charakterisierende Pflichtfolter…die nur zur
    Beschäftigung dient
    (warscheinlich da es genügend Infomaterial dazu gibt)

  3. Bristol meint:

    Ich habe für solcherlei selten dämliche Rezensionen überhaupt kein Verständnis. Das ist wirklich peinlich, was sie da schreiben. Eine furchtbare Zumutung!

  4. Andreas meint:

    @Bristol: Hast du das Satire-Tag übersehen? Abgesehen davon ist das hier mitnichten eine Rezension…

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