Eine amerikanische Staatsbürgerschaft für Jesus
Shelley Goodman ist 28, Mutter, Ehefrau und besorgte Einwohnerin der USA. Sie hat eine Mission: Sie will ihre Mitbürger erziehen. Sie glaubt, dass ihr Land eine strenge Führung und Gott in der Regierung braucht. Sie muss ihre Heimat beschützen und die Zukunft ihrer Kinder und Enkel sichern. Zusammen mit ihren Freunden betreibt sie dieses Weblog für die Guten und Vernünftigen der USA. Sie ist eine christliche Bloggerin für Gott und George W. Bush – so steht es jedenfalls auf ihrer Website shelleytherepublican.com.
Zu den Feinden Amerikas – so klärt Shelley ihre Landsleute auf – gehören unter anderem: Demokraten, Liberale, Atheisten, Terroristen, Homosexuelle, oraler Sex, Kanadier, Briten, Deutsche, Google, Linux und einige weitere. Und fast täglich kommen neue hinzu.
Eindringlich wird vor uns Deutschen gewarnt, die wir keinen Respekt vor der amerikanischen Sprache und Kultur haben, uns nicht duschen, Hardcore-Pornos lieben und nach wie vor die Art von Schnauzbart lieben, wie ihn ein ehemaliger österreichischer Gefreiter trug, der Deutschland und die Welt ins Verderben trieb.
Shelley gibt aber auch praktische Lebenshilfen. So berichtete sie Anfang Mai über ein neues Gemeindemitglied, das sich seiner Homosexualität schämte und sie um Hilfe bat, seinen Trieb nach anderen Männern loszuwerden. Shelley sah es als ihre christliche Pflicht an zu helfen und stellte einen Umwandlungsplan auf. In sechs Monaten sollte er ein gewandelter, gottesfürchtiger und guter Mensch werden, indem er seine schwul aussehenden Klamotten und seinen schwulen Akzent ablegt, seine Homosexualität vor der Kirchengemeinde gesteht, jeden Tag gemeinsam mit Shelley betet und schließlich ein Mädchen seiner Wahl heiratet. Schafft er das nicht, will er die Gemeinde verlassen.
Rick, der “millionste Besucher” von Shelleys Website, hat seine Frau geschlagen, da sie ihm nicht das Bier an die Couch bringt und sonst auch nicht auf ihn hört. Zudem sei sie fett geworden und kümmere sich nicht mehr um die Kinder, seit sie selbst einen Job habe. Auch hier konnte Shelley schon helfen – mehr als eine Stunde hat sie für ihn gebetet.
Schließlich hat Shelley eine Petition gestartet, die keinem geringeren als Jesus Christus die amerikanische Staatsbürgerschaft ermöglichen soll. Die Erklärung dazu ist ganz einfach:
Der Heiland wird eines Tages zur Erde zurückkehren um die Menschheit zu erlösen. Sicherlich wird er zuerst in die USA kommen, in Gottes eigenes Land. Um ihm einen legalen Status in Amerika zu geben, müsse man ihm die US-Staatsbürgerschaft zusichern. Man könne ihn ja nicht wie einen Immigranten herumlaufen lassen, der womöglich von einem übereifrigen Beamten der Einwanderungsbehörde festgenommen werden könnte.
Zu den ersten Unterzeichnern der Petition gehören Größen des christlichen Abendlandes wie Obi Wan Kenobi aus Wixhausen, GOD FATHER from Heaven, The White Rabbit aus Meadow oder auch Buddha von Inthesnow.
Es ist fraglich, ob Jesus die amerikanische Staatsbürgerschaft überhaupt wollen würde. Als sehr liberaler Mensch könnte er sich an verschiedenen Missständen in den Vereinigten Staaten stoßen. Als ehemaliger Anführer einer jüdischen Sekte aus dem mittleren Osten ohne Englischkenntnisse ist zudem zu befürchten, dass er die Einbürgerungsprozedur gar nicht überstehen würde.
In mir glimmt ein Fünkchen Hoffnung, auch nach dem Lesen der vielen Kommentare in diesem Blog: Es kann sich hierbei nur um eine großartige Satire handeln!
Thank you Shelley.
God bless you and America!
8. Juni 2006, Kategorie Leben, Web | RSS | Trackback Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.