Owned!

owned!Bildsprache kann häufig viele Worte ersetzen und eine Geschichte auf den Punkt bringen. Für mich geht die Geschichte des verspielten Kätzchens aus wie folgt: Mietzi springt, landet auf Tretmine und wird in Stücke gerissen. Eklig und sadistisch war mein erster Gedanke, sicherlich ein gestelltes Foto oder eine Montage mein zweiter. Allerdings, und hier geht die (Bild)Geschichte weiter, ist die Katze nur ein Stellvertreter für den eigentlichen Betrachter, dem die Botschaft owned! gilt.

Wie in der Wikipedia nachzulesen ist, kommt das Wort owned aus dem Computerspieler-Jargon und bedeutet soviel wie “erwischt” oder “dominiert”. Damit zeigt man dem Anderen, dass man ihm überlegen ist, dass man die Kontrolle im Spiel übernommen hat.

Was unter Spielfreaks als markante Abkürzung durchgeht, nimmt sich im Gästebuch einer Bildungseinrichtung, welches ich administrativ betreue, beleidigend und herabsetzend aus. Die Flash-Animation, der dieses Bild entstammt, zeigt unter anderem auch noch einen Rollstuhlfahrer, der gerade von einem Dach fliegt, ein Kleinkind, das kopfüber in einen Häcksler gesteckt wird, einen Taucher, der gerade von einem Hai attakiert wird, eine schlafende Person, deren Haut gerade mit einem Edding bemalt wird und einige Geschmacklosigkeiten mehr.

Mag sein, dass ich ein wenig paranoid bin, aber seit Erfurt ist man als Lehrer etwas nachdenklicher geworden, was solche “Scherze” angeht. Also habe ich das Material kopiert, die IP-Adresse des Verursachers festgestellt und rechtliche Schritte eingeleitet.

Dass so ein läppischer Fall von Schülerfrustentladung nicht besondere Beachtung bei Polizei und Staatsanwaltschaft finden würde, war abzusehen. Die Begründung, warum das Verfahren letztlich eingestellt wurde, ist aber das eigentlich Interessante an der Geschichte:

“Da (…) der Tatnachweis nicht zu führen gewesen wäre. Voraussetzung für die Annahme einer Gewaltdarstellung (…) ist u.a., dass in den in Rede stehenden Schriften grausame oder sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen verherrlicht oder verharmlost werden oder das Grausame oder Unmenschliche eines Vorgangs in einer die Menschenwürde verletzenden Weise dargestellt wird.

In der geschilderten Gewalttätigkeit als solche muss eine menschenverachtende oder rücksichtslose Tendenz zum Ausdruck kommen.

Insoweit fallen Gewalttätigkeiten gegen Tiere oder Sachen nicht unter den Tatbestand.

Die (…) übermittelten Bilder zeigen keine Verherrlichung solcher Gewalttätigkeiten, d.h. deren Berühmung als etwas Großartiges, Imponierendes oder Heldenhaftes oder deren Verharmlosung, d.h. eine Bagatellisierung als eine sozial übliche oder akzeptable Form des Verhaltens oder mindestens als ‘nicht verwerfliche Möglichkeit zur Lösung von Konflikten’.” (Hervorhebung d. Autor)

In einer Zeit, in der breite Teile der Gesellschaft von einer “Verrohung” der Jugend sprechen, Respektlosigkeit und den Verlust von Umgangsformen beklagen, ist diese Sichtweise für mich unverständlich und setzt ein falsches Signal. Unter Bagatellisierung, akzeptablen Verhaltensformen und Konfliktlösungen verstehe ich etwas anderes.

15. Oktober 2006, Kategorie Web | RSS | Trackback

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