Instant Karma
In den letzten fünf Wochen habe ich mit meiner Frau an einem Yogakurs teilgenommen. Diese Maßnahme diente hauptsächlich der Bewältigung meiner drei Grundprobleme: Bewältigung von Stress, Konzentration auf das Wesentliche, Finden der inneren Ruhe.
Zunächst passten alle Klischees: Der Yogalehrer trug Glatze, einen Ziegenbart, weite und bequeme Kleidung, trank energetisiertes Wasser oder Zitronengrastee und hatte diese typische meditative Singstimme. Die Räucherstäbchen und die sphärische Musik waren obligat.
Der Kurs bestand nur aus Frauen - von mir einmal abgesehen. Darunter gab es eine Grafikdesignerin, zwei Lehrerinnen, eine Filmproduzentin, eine Journalistin sowie eine Zirkusdirektorin. In der Vorstellungsrunde erzählte eine der Lehrerinnen elipsenartig und ein wenig hysterisch, dass sie schon länger Yoga mache und ohne gar nicht mehr könne. Ich fing innerlich an zu analysieren, was man wohl falsch machen könne, damit Yoga - wie bei dieser Frau - nicht funktioniert.
Glücklicherweise erwies sich der Yogalehrer als sehr guter Trainer und ich lernte Muskeln kennen, die ich an mir nie vermutet hätte. Es gelang mir sogar jedes Mal ein bisschen besser, mich zu konzentrieren, den Stress hinter mir zu lassen und eine gewisse innere Ruhe zu spüren.
Nur einmal gab es eine Ausnahme. Der Lehrer leitete uns gerade durch eine komplexe Übung (in Fachkreisen Sonnengruß genannt): “Atem anhalten, beide Beine nach hinten strecken. Ausatmen, Knie und Brust auf den Boden legen. Einatmen, dabei Brustkorb und Kopf heben.” Genau in diesem Augenblick fiel mein Blick zwangsläufig auf die gegenüberliegende Wand, an der von einem Rückbildungskurs noch Plakate hängen geblieben waren. Es handelte sich um mindestens vierfach vergrößerte und sehr exakte medizinisch-grafische Darstellungen des weiblichen Beckenbodens. Und da waren sie wieder, meine drei Grundprobleme…
6. Juli 2007 um 10:22
Hast du den Kurs denn trotzdem weitergemacht? Bist du zufrieden? Ja, ich frage aus persönlicher Neugier…
8. Juli 2007 um 09:45
Ja, den Kurs habe ich natürlich in Gänze gemacht. Den Esoterik-Kram konnte ich weitgehend ausblenden. Kleine Entspannungs- und Atemübungen sind in meinen Alltag auch übergegangen. Allerdings müsste man das regelmäßig trainieren, um dauerhafte Erfolge zu erzielen. Im Herbst werde ich mal einen Fortführungskurs in Angriff nehmen.