Offenbarung
Es hatte tatsächlich den Charakter eines Staatsbesuches. Absperrungen in zwei Reihen, Kontrolleinlass, bewachter Ausgang und muskelbepackte Sicherheitskräfte, die hektische Anweisungen über Bündelfunk erhielten. Ein Krankenwagen sowie Rettungssanitäter standen bereit. Die Schaulustigen versuchten die Absperrungen trickreich zu umgehen, mussten sich aber dann doch kleinlaut anstellen und mindestens 45 Minuten warten.
Fotografen, die nicht akkreditiert waren, kletterten auf die Geräte des in unmittelbarer Nähe befindlichen Spielplatzes, um ein besseres Sichtfeld zu haben. Unter sengende Hitze warteten SEINE Anhänger und sprachen nur von IHM. Es schien, als sei ein neuer Messias geboren, der ihnen den endgültigen Weltfrieden bringen würde.
Punkt 11:00 Uhr ging ein Raunen und Rufen durch die Menge, als endlich der seit Monaten gefeierte Medienstar erschien und sich dem Publikum zeigte. “Guckt mal, da ist Knut”, sage ich zu meinen beiden Jungs. “Hm, jaja. Dürfen wir jetzt auf den Spielplatz gehen?”
Später im Restaurant fragte hinter mir eine Amerikanerin ihre Begleiterin, ob sie jetzt von dem kleinen Eisbären enttäuscht sei. Sie antwortete lakonisch: “I ‘m surprised how dirty he was!”