Hoch wie nie
„Er war Superstar,
er war populär,
er war so exaltiert,
because er hatte Flair,
er war ein virtuose,
war ein Rockidol,
und alles rief:
come and rock me Amadeus.“
Ich weiß heute nicht mehr, ob es das exzentrische Auftreten dieses Musikers war oder die staccato-artig vorgetragenen Texte, die mich faszinierten. Ich war etwa fünfzehn Jahre alt und hatte ein Idol: Falco. So herrlich arrogant und schnodderig wäre ich auch gerne gewesen! Nachdem ich unverdienterweise einen Falco-Imitations-Wettbewerb in unserem Schul-Club gewonnen hatte, versuchte ich, aller Dinge habhaft zuwerden, die man östlich der Elbe von einem westlichen Popstar bekommen konnte.
Besonders beeindruckt war ich, als es Falco mit seinem Jeanny-Song in die „Westnachrichten“ („heute journal“ des ZDF) geschafft hatte, und das Lied kurz darauf als skandalös auf den Index kam. Während Falco mit „Jeanny“ legendär wurde, verhalf mir das Lied zu meinem ersten, eng umschlungenen Tanz mit einem Mädchen meiner Schule.
Ich war so versessen auf Falco-Platten, dass ich Ende der 80er Jahre drauf und dran war, 120 „Ostmark“ für ein aktuelles Album auf dem Schwarzmarkt zu zahlen. Glücklicherweise knickte der Verkäufer – ein Mitschüler – ein, was ich ihm zum damaligen Zeitpunkt aber sehr übel nahm. Das wenige „Westgeld“, das ich von der Verwandtschaft zugesteckt bekam, trug ich zum „Intershop“ und ergatterte im Laufe der Jahre zwei Platten von Falco, von denen ich mir sofort Sicherheitskopien in Form von Kassetten anlegte.
Ich behaupte, ich war der einzige Falco-Fan, der wusste, was die rückwärts abgespielte und in „Satellite to Satellite“ („Wiener Blut“ 1988) hinzugemischte Stimme dem Hörer mitteilte. Ich hatte das Lied selbst mit Hilfe von zerschnittenem und umgedrehtem Kassettenband rückwärts, und damit die Stimme vorwärts abgespielt.
Als die Mauer fiel, war das Erste, was ich mir von dem Begrüßungsgeld kaufte – richtig, eine Falcoplatte. Lange, bevor ich einen CD-Player hatte, kaufte ich das 1990 erschienene Album ungehört auf CD (um davon wieder einige analoge Sicherheitskopien anzulegen).
Musik und Texte rissen mich irgendwann nicht mehr vom Hocker, und ich empfand mich als arrogant und schnodderig genug, um nicht mehr Falco hören zu müssen. Ich hatte mich dann so weit von meinem einstigen Idol entfernt, dass ich erst einige Wochen nach dem tragischen Unfall von seinem Tod erfahren hatte.
Erstaunt war ich, als dann eine Restverwertungsmaschine in Gang kam, die auch noch das letzte Demotape plünderte und Songs auf den Markt warf, die zu Falcos Lebzeiten auf keiner B-Seite Platz gefunden hätten.
Mittlerweile gibt es ein Falco-Musical, seit Kurzem ausgewählte Songs in einer sinfonischen Abmischung und ab sofort auch einen Falco-Film mit dem (Falco-)Titel: „Verdammt wir leben noch“.
Heute auf den Tag vor zehn Jahren starb Falco bei einem Autounfall in der Dominikanischen Republik.
„Ohne uns sind wir die Hälfte Wert.
Wir geh’n vorbei und seh’n es nicht…“